Tierkommunikation – zwischen Magie, Missverständnissen und unbequemen Fragen


"Du redest mit Tieren?"

 

Wer Tierkommunikation praktiziert, kennt diese Frage. Meist folgt darauf entweder ehrliche Neugier, skeptisches Stirnrunzeln oder ein Schmunzeln, das irgendwo zwischen Interesse und dem Verdacht liegt, man habe es gerade mit einem Menschen zu tun, der nachts mit Einhörnern Schach spielt.

 

Kaum ein Thema in der Tierwelt polarisiert so stark wie die Tierkommunikation. Für die einen ist sie eine wertvolle Unterstützung im Alltag mit ihren Tieren. Für die anderen ist sie nichts weiter als Wunschdenken, Projektion oder geschickte Menschenkenntnis.

 

Doch woran liegt das eigentlich?

 

Der Menschheitstraum, Tiere zu verstehen

 

Nicht ohne Grund wurde die Figur des Dr. Dolittle weltberühmt: Der Traum, Tiere nicht nur zu beobachten, sondern direkt von ihnen zu erfahren, was sie denken und fühlen – Hand aufs Herz: Wer hätte nicht schon einmal gerne sein Tier gefragt, was eigentlich in seinem Kopf vorgeht?

 

Seit Jahrhunderten beobachten wir Tiere, deuten ihre Körpersprache und versuchen herauszufinden, weshalb sie sich wie verhalten. Die moderne Verhaltensforschung hat dabei Erstaunliches ans Licht gebracht:

Tiere verfügen über komplexe Kommunikationssysteme, individuelle Persönlichkeiten, soziale Beziehungen und teilweise sogar über eine Art „Sprache“. Wissenschaftler entdecken laufend neue Facetten tierischer Kommunikation.

 

Und dennoch bleibt eine grosse Frage offen:

 

Wie viel von dem, was Tiere wahrnehmen, denken oder fühlen, bleibt uns dennoch verborgen?

 

Genau an diesem Punkt beginnt die Kontroverse um die Tierkommunikation.

 

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bislang keinen allgemein anerkannten Nachweis dafür, dass telepathische Tierkommunikation funktioniert. Kontrollierte Studien, die eine solche Fähigkeit eindeutig belegen würden, fehlen bisher.

Dennoch wurden vergleichbare Phänomene wie das sogenannte „Remote Viewing“ über Jahrzehnte hinweg von US-Regierungsbehörden und dem Militär untersucht. Auch wenn die Ergebnisse bis heute umstritten sind und nicht zu einer wissenschaftlichen Anerkennung führten, wirft die langjährige Finanzierung solcher Forschungsprogramme durchaus Fragen auf. Schliesslich investiert man in der Regel keine erheblichen finanziellen und personellen Ressourcen in etwas, das von vornherein als nicht existent betrachtet wird.

 

Kritiker führen verschiedene Erklärungen dafür an, weshalb Tierkommunikation häufig als erstaunlich treffend erlebt wird:

  • Menschen interpretieren Informationen häufig durch die Brille ihrer eigenen Erfahrungen und Erwartungen.
  • Allgemeine Aussagen können überraschend zutreffend erscheinen.
  • Körpersprache, Erfahrung, Beobachtungsgabe und Intuition könnten einen Teil der wahrgenommenen Ergebnisse erklären.

Diese Einwände sind legitim und verdienen eine sachliche Betrachtung.

 

Tatsächlich wäre es unprofessionell, sie pauschal von der Hand zu weisen. Wer seriös arbeitet, sollte bereit sein, auch die eigenen Wahrnehmungen kritisch zu hinterfragen und zwischen überprüfbaren Informationen, Interpretationen und persönlichen Annahmen zu unterscheiden.

Gerade diese kritische Selbstreflexion ist ein wichtiger Bestandteil einer verantwortungsvollen und professionellen Tier-kommunikation, denn nicht jede Eingebung ist automatisch eine Botschaft des Tieres.

 

Die Sicht der Tierkommunikatoren

 

Auf der anderen Seite stehen tausende Tierhalter, die von Erfahrungen berichten, die sie sich nicht erklären können.

 

Da werden plötzlich treffende Charakterbeschreibungen, Erinnerungen des Tieres, Wohnungen, Lieblingsspielzeuge usw. beschrieben, die niemand erwähnt hat. Es werden alte Verletzungen genannt, von denen der Tierkommunikator nichts wissen konnte. Verhaltensänderungen werden erklärt, bevor tierärztliche Befunde vorliegen.

 

Sind all diese Menschen leichtgläubig?

 

Wohl kaum.

 

Seriöse Tierkommunikatoren arbeiten zur eigenen Absicherung mit sogenannten Kontrollfragen. Dabei werden Informationen beim Tier abgefragt, die weder öffentlich zugänglich noch aus dem Verhalten des Tieres ableitbar sind.

Ziel ist es, Hinweise zu erhalten, die eine Überprüfung ermöglichen.

 

Genau diese überprüfbaren Details sind es, die viele Tierhalter erstaunen.

 

Wo entstehen die Missverständnisse?

 

Ein Problem besteht darin, dass unter dem Begriff „Tierkommunikation“ sehr unterschiedliche Arbeitsweisen zusammengefasst werden. Manche Menschen verstehen darunter die intuitive Wahrnehmung. Andere sprechen von telepathischem Austausch. Wieder andere sprechen bei einer Kombination aus Verhaltensbeobachtung, Coaching und Energiearbeit von Tierkommunikation. Entsprechend unterschiedlich fallen natürlich die Ergebnisse aus, während die Qualität der Anbieter zudem stark variiert.

 

Wie in jeder Branche gibt es Menschen, die sorgfältig arbeiten, ihre Grenzen kennen und keine unrealistischen Versprechen machen. Und es gibt jene, die für jedes Problem eine spektakuläre - mehr oder minder abgehobene - Erklärung präsentieren.

 

Gerade deshalb entstanden in den letzten Jahren Berufsverbände, welche die Seriosität fördern, Qualität sicherstellen und nachvollziehbare Kriterien definieren möchten. Der Bundesverband Tierkommunikation Schweiz setzt sich beispielsweise für Qualitätsstandards, Ethikrichtlinien und fundierte Ausbildungen in der Tierkommunikation ein.

 

Die Frage, die niemand beantworten kann

 

Vielleicht ist die spannendste Frage gar nicht:

 

„Kann man wirklich mit Tieren sprechen?“

 

Sondern:

 

„Wie kann man beweisen, dass es funktioniert?“

 

Viele Phänomene wurden zunächst belächelt, bevor sie später wissenschaftlich untersucht und belegt (oder widerlegt) werden konnten. Wissenschaft lebt davon, Fragen zu stellen – nicht davon, sie ohne Einbezug von Fakten und Erfahrungen vorschnell zu beantworten.

 

Und genau deshalb darf man sowohl neugierig als auch kritisch bleiben.

 

Was Tierkommunikation nicht ersetzen kann

 

Ein seriöser Tierkommunikator wird niemals behaupten, einen Tierarzt ersetzen zu können.

 

Wenn ein Tier Schmerzen hat, plötzlich sein Verhalten verändert, lahmt, nicht frisst oder krank wirkt, gehört es zuerst tiermedizinisch abgeklärt. Darüber herrscht innerhalb der seriösen Tierkommunikations-Community Einigkeit.

 

Tierkommunikation kann eine Ergänzung sein.

 

Sie ist kein Ersatz für Diagnostik, Therapie oder gesunden Menschenverstand.

 

Und nun?

 

Die Wahrheit ist vermutlich weniger spektakulär, als beide Seiten gerne hätten. Tierkommunikation ist sicher nicht die übernatürliche Zauberkraft, als die sie manchmal dargestellt wird. Sie ist aber auch weit mehr als bloss Einbildung.

 

Fest steht:

 

Seit Jahrzehnten berichten Tierhalter von Erfahrungen, die sie tief berührt haben.

 

Fest steht auch:

 

Es gibt Tierkommunikatoren, die überprüfbare Informationen liefern, die sie auf normalem Weg nicht hätten kennen können.

 

Und ebenfalls fest steht:

 

Tierkommunikation hat bereits unzähligen Menschen geholfen, ihre Tiere besser zu verstehen, Konflikte zu lösen, Abschiede zu begleiten oder neue Perspektiven zu gewinnen.

 

Ob man darin etwas faszinierendes und hilfreiches sieht oder als etwas betrachtet, das wir wissenschaftlich noch nicht vollständig verstehen – darüber darf weiterhin diskutiert werden.

 

Vielleicht gehört genau das zu einem lebendigen, offenen Umgang mit dem Thema.

 

Denn Entwicklung beginnt dort, wo wir bereit sind, Fragen zu stellen, ohne die Antworten bereits zu kennen.

 

Kontakt

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Bundesverband Tierkommunikation Schweiz

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